Wegen des Frankens: Kurzarbeit explodiert

Jan 25

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) rechnet für das Jahr 2012 mit einem dramatischen Anstieg der Kurzarbeit. Das Haus veranschlagte für die fällig werdenden Entschädigungszahlungen in diesem Jahr 500 Millionen Franken. Der Wert liegt damit um 500 Prozent höher als noch im Vorjahr. Diese Entwicklung hat zwei Gründe: Den starken Franken und die neue Kurzarbeitsregelung des Bundesrats.

Seco akzeptiert “starken Franken” als Kurzarbeitsgrund
Der Franken ist aufgrund der Eurokrise und der anhaltenden Dollarschwäche momentan eigentlich deutlich überbewertet. Bis ins Jahr 2011 hinein betrachtete die Regierung jedoch Währungsschwankungen als “unternehmerisches Risiko”. Seit dem 1. September 2011 hat sich dies zumindest für den Bereich der Kurzarbeit geändert. Das Seco akzeptiert seit diesem Tag die Begründung “starker Franken” auf dem Antrag für die Kurzarbeitsentschädigung. Tatsächlich machte eine Vielzahl von Firmen bereits von der neuen Möglichkeit Gebrauch. So berichtet die zuständige Stelle des Kantons Zürich, dass sich die Zahl der Anträge mit der entsprechenden Begründung im Vergleich von November und Dezember 2011 verdoppelt habe. Auch aus St. Gallen heißt es, immer öfter würden Unternehmen die Kurzarbeitsentschädigung mit dem Hinweis auf die starke Währung beantragen.

Bundesrat regelt Kurzarbeit neu
Zusätzlich zu der Erlaubnis, die Entschädigung aufgrund des starken Frankens zu beantragen, gilt seit dem 1. Januar zudem das neue Gesetz über die Kurzarbeitsentschädigung, welches die Bezugsdauer von zwölf auf 18 Monate verlängert und zugleich die Karenzfrist (die Zeitspanne vom Antrag bis zur ersten Auszahlung der Entschädigung) verkürzte. Der Bundesrat möchte so Unternehmen dazu ermuntern, Menschen nicht aufgrund der gegenwärtigen Krise zu entlassen, sondern erst einmal kürzer arbeiten zu lassen.

Januar-Zuwachs: Plus 100 Prozent
Diese beiden Gründe werden sich im Januar deutlich in den Zahlen niederschlagen. Bereits jetzt verspüre man einen deutlichen Anstieg, berichtet Serge Gaillard, der die Direktion für Arbeit im Seco leitet. Insgesamt könne man schon im ersten Monat des Jahres eine Zunahme der Kurzarbeit um 100 Prozent verglichen mit dem Vorjahr erwartet. Insgesamt werde der Wert in diesem Jahr etwa wieder die Größenordnung von 2010 erreichen, falle aber nicht ganz so schlimm wie in der Finanzkrise aus, erklärt Gaillard.