Die Schweiz verdankt sein Wachstum der letzten zehn Jahre einem stetig steigenden Arbeitsvolumen. Dies ist die Erkenntnis einer Langzeitstudie, welche die Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich durchführte. Sie nahm dabei den Zeitraum von 1950 bis 2010 in den Blick und teilte diesen in zehnjährige Abschnitte. Dabei verglich sie das Verhältnis von Arbeitszeiten und Arbeitsproduktivität. Für die Zeitspanne von 2000 bis 2010 ergab sich dabei ein spannendes Ergebnis: Im gesamten Untersuchungszeitraum wuchs die Zahl der Arbeitsstunden nie so stark an. Sie kletterte im Vergleich mit 1990 bis 2000 um 12,7 Prozent auf 7,2 Milliarden Arbeitsstunden pro Jahr. Zeitgleich nahm die Produktivität des Landes allerdings nur um 5,5 Prozent zu. Das Wachstum der letzten Jahre ist also vor allem ein Ergebnis der Arbeitnehmer des Landes, die sich immer stärker engagieren.
2000 bis 2010: Auch ein negativer historischer Einschnitt
Allerdings markierten die letzten zehn Jahre laut KOF auch in negativer Hinsicht einen historischen Einschnitt. Obwohl die Bereitschaft der Schweizer, mehr zu arbeiten, nie größer war, wuchs erstmals die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden schneller als die Produktivität. Ansonsten nahm diese immer schneller zu als das geleistete Arbeitsvolumen. Zu erklären ist dies allerdings über zwei einfache Faktoren: Zum einen gibt es heute 90 Prozent mehr Erwerbstätige als noch 1950 und die Zahl steigt weiter an, weshalb auch die Arbeitsstunden fast von alleine in die Höhe steigt. Zudem hat die Schweiz einen gewissen Entwicklungsstand erreicht, der es schwieriger macht, die Produktivität überhaupt noch zu steigern.
Der Vergleich mit 1950 oder die 50 Stunden Woche
So ist es auch zu erklären, dass in der Schweiz heute mehr Arbeitsstunden als jemals zuvor abgeleistet werden, aber jeder Mensch deutlich weniger arbeitet als noch zu Beginn des Untersuchungszeitraums. Zwischen 1950 und 1960 leisteten die Schweizer insgesamt 5,5 Milliarden Arbeitsstunden pro Jahr ab. Jeder einzelne Arbeitnehmer kam auf 2380 Stunden, heute sind es gerade noch 1620 Stunden. Üblich war die 50 Stunden Woche sowie die Bereitschaft, 50 Wochen im Jahr zu arbeiten. Die Produktivität stieg um mehr als 40 Prozent an. Der größte diesbezügliche Sprung geschah in den 60er Jahren: Die Produktivität sprang damals um 52 Prozent in die Höhe, dabei wurde aber schon erstmals weniger gearbeitet, da die steigende Zahl der Erwerbstätigen ausreichte, um für ein höheres Arbeitsvolumen zu sorgen.
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